Im Frühjahr 2017 gab es eine neue Sprayhood - die alte war nach über 25 Jahren wirklich fällig. Nicht das sie zerrissen war. Oder sonstwie kaputt. Sie war einfach nicht mehr ansehnlich, die damals verarbeiteten Tücher waren von überraschend hoher Qualität und Haltbarkeit, irgendwann aber, hat jedes Leben ein Ende.
Im Vorfeld trat ich unter anderem mit einem niederländischen Segelmacher in Kontakt. Der machte ein ordentliches Angebot. Die Sache war entschieden. Im April brachten wir unsere "Kohinoor" nach Lemmer - bei erbärmlichsten Wetter. Die Umstände waren wirklich bescheiden. Regen und häufig waagerechter Hagel. Immer von vorn natürlich. Tut aber nichts zur Sache. Wir kamen an, übergaben unser Schiff. In einer Woche sei die Arbeit erledigt, hieß es. Wir könnten zu diesem Temin unser Boot mit neuer Sprayhood, genau so gefertigt wie besprochen, abholen.
Nach dieser Woche - inzwischen war es glutheiß geworden, reisten wir in Lemmer an. Morgen würde die Sprayhood montiert, sagte man uns. So war es dann auch. Nur - sie sah nicht ganz so aus wie geplant, sie war deutlich kleiner als besprochen.

Mit Öffnen des Reißverschlusses wird die Sprayhood geteilt.
Anders wäre es nicht gegangen, teilte uns ein großspuriger, nicht wirklich freundlicher Mitarbeiter der Firma mit. Schließlich hätte ich die Sprayhood ja so haben wollen, dass der vordere Teil mit den Scheiben beim Klappen stehen bliebe. Das sei sehr ungewöhnlich, um nicht zu sagen, unüblich. Nur so, wie es jetzt gemacht sei und nicht anders, habe er das Verdeck fertigen können. Damit bitteschön, müsse ich zufrieden sein.
Die handwerkliche Ausführung der Plane, das ist mir wichtig zu sagen, war untadelig, es war eine super Arbeit. Sie war gut gespannt und saß prima auf den Bügeln. Nur viel zu klein war sie eben - so gar nicht wie vorab besprochen.
Alle Mitarbeiter des Segelmachers, mit Ausnahme des eben zitierten, waren erfreulich höflich und hilfsbereit. Wir erklärten uns deshalb unter Vorbehalt bereit, die neue Sprayhood abzunehmen und machten uns über das Ijsselmeer auf den Rückweg nach Weener. Just an diesem Tage schlug das Wetter wieder um - von glutheiß zurück zu Regen und viel Wind aus Nordwest. Dagegen dampften wir an nach Kornwerderzand und sind noch nie so nass geworden, wie auf dieser vergleichsweise kurzen Tour gegen fünf bis sechs Bft. an. Die Sprayhood war Mist. Bot sie doch im Vergleich zur alten nahezu keinen Schutz. Frau Cornelia war nicht amüsiert. So gar nicht.
In Weener angekommen, reklamierte ich das Ding und belegte die Mängel mit vergleichenden Fotos. Alte Sprayhood. Neue Sprayhood. Nach einigen Mails und Telefonaten wurden wir uns einig. Man kam nach Weener zur Nachbesserung und baute genau das, was ich haben wollte und was von vornherein vereinbart war. Noch einmal nach Lemmer hatte ich nicht reisen wollen mit dem ganzen Boot. In wieder herausragender handwerklicher Qualität lieferte man die Arbeit ab.
Und ich meine, was ich sage! Wie viele lieblos zusammengehauene Sprayhoods hab' ich schon auf Schiffen gesehen, die einen solch flatternden Aufbau meist nicht verdienten. Unsere saß einfach. Wie straffe Haut!
Wir hatten unsere neue Sprayhood und waren insofern zufrieden. Wir konnten sie so, wie ich es gewünscht hatte, bei gutem Wetter wegklappen, ohne dass die Fenster auch nach vorne fielen und zwangsläufig Knicke bekamen. Schön aber war anders. Es sah geklappt einfach nicht gut aus und war unpraktisch. Im Grunde war meine Idee, die Fenster beim Klappen stehen zu lassen, keine echte Verbesserung. Nur, und das war ein zu kleiner Trost, die Fenster verknickten nicht mehr - wurden nicht so schnell unansehnlich.
Ich ärgerte mich einen ganzen Sommer lang, nicht über die Leute in Lemmer - über mich und nutzte die Klappmöglichkeit kaum. Im Herbst dann, hatte ich endlich die richtige Idee:

Sprayhoodverdeck abgenommen. Es bleibt nur die Scheibe.
Wer will, kann die beiden losen Bügel auch
abnehmen. Wir sind dazu zu faul.
"Wir lassen zwei Teile machen aus dem Verdeck. Wir trennen sie über dem ersten Bügel. Lassen dort einen Reißverschluss einnähen und können dann bei gutem Wetter den hinteren Teil abnehmen. Dann haben wir es so wie wir es wollten. Müsste doch gehen." Es folgte ein Anruf beim Planenmacher in Lemmer:
"Könnt ihr das? Könnt ihr das so, dass ich den hinteren Teil der Sprayhood mit wenigen, wirklich wenigen Handgriffen wegnehmen kann? Und so, dass es gut aussieht und auch der Reißverschluss dicht ist, wenn ich das Verdeck vollständig fahre?
"Jo," hieß es, "wir können das und die Idee ist nicht so schlecht."
So sahen wir uns dann in diesem Frühjahr wieder. Von dem Mitarbeiter, den ich als nicht ausschließlich höflich beschrieben habe, hatte man sich inzwischen getrennt. Mir war es recht.

Ansicht von vorn. Der Reißverschluss
liegt direkt auf dem Bügel.
Die Arbeiten an meinem Schiff führte der handwerklich begabte Sohn des Chefs durch. Er hat einen erfreulich guten Blick für's Wesentliche. Wir besprachen genau, was zu tun sei und wie es ausgeführt würde.
Der Reißverschluss würde exakt über dem ersten Bügel angebracht, das Tuch mit der Fensterpartie würde mit Druckknöpfen am Bügel fixiert, so sei ein guter und strammer Stand der Scheiben gesichert. Auch dann, wenn der Rest der Sprayhood abgenommen sei. Gehalten würde das ganze ja durch die zwei Stützen, die schon im vorigen Jahr verbaut worden seien. Im zusammengebauten Zustand würde der Reißverschluss von einer mit Klettband versehenen Überlappung verdeckt. Regen und Seewasser könnten so auf keinen Fall eindringen.

Diese beiden Stützen halten die Scheibe in Form.
So wurde es gemacht und es war ausschließlich gut so. Wir können jetzt völlig offen fahren und haben trotzdem noch einen gewissen Windschutz. Temperaturen von deutlich über vierzig Grad unter der Sprayhood sind Geschichte. Denn bei gutem Wetter ist ja keine da. Sie, die Sprayhood, ist tatsächlich in kleinen zwei Minuten demontiert und genauso schnell wieder aufgerüstet. Das ist nicht gelogen.
Die Bilder links zeigen die notwendigen Änderungen, die zu einem, aus meiner Sicht, großen Komfortgewinn führen und die an nahezu jeder Sprayhood durchgeführt werden können. Ein Dankeschön an die ausführende Firma in Lemmer. Ich erwähne sie hier sehr gern namentlich: